Auf Kriegsfuß
Objekt(e) des Monats März 2025
Im kelten römer museum gibt es viele Ausstellungsstücke zu entdecken. Einige fallen neben den archäologischen Highlights vielleicht nicht sofort ins Auge, doch auch sie haben spannende Geschichten zu erzählen!
In unserer Reihe »Objekt des Monats« stellen wir ausgewählte archäologische Funde und weitere Exponate aus unserer Dauerausstellung oder einer aktuellen Sonderausstellung näher vor.
Am 11. April 2025 öffnet unsere neue Modell- und Mitmachausstellung »Roms Armee im Feld. Marsch · Lager · Versorgung« ihre Türen für das Publikum. Auch in unserer Dauerausstellung sind zahlreiche Bezüge zum Thema zu finden: durch die Behandlung römischer Infrastruktur in der Provinz Rätien und durch die Präsentation des Hilfstruppenkastells von Oberstimm.
Anlässlich der anstehenden Sonderausstellung stellen wir im März 2025 archäologische Funde aus Oberstimm vor, die den Aspekt »Marsch« eindrücklich veranschaulichen. Es handelt sich um die Fragmente einer ledernen Schuhsohle sowie um zahlreiche Eisennägel mit kurzem, umgebogenem Schaft und kegelförmigem Kopf. Erst vor Kurzem konnte durch Röntgenuntersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ein anderer, stark korrodierter Metallfund aus Oberstimm als Rest einer weiteren Schuhsohle mit Eisennägeln identifiziert werden.
Solche Schuhnägel, lateinisch clavi, finden sich vielfach an römischen Truppenstandorten und Straßen und auch auf antiken Schlachtfeldern, etwa jenen von Kalkriese und am Harzhorn. Die clavi wurden jeweils zu Dutzenden auf die Unterseiten der Sohlen genagelt, um so – ähnlich wie bei Stollen heutiger Fußballschuhe – sicheren Tritt zu gewährleisten. Denn eine Armee ist immer nur so gut wie ihr Schuhwerk. Auf dem Marsch und im Kampf ist möglichst zu vermeiden, dass die Soldaten ins Straucheln geraten oder gar stürzen. Jeder Fehltritt kann zu Verletzungen führen bzw. tödlich sein, gerade in unwegsamem Gelände. Zudem gilt: schlechte Schuhe, schlechte Mobilität! Dies konnte sich das römische Militär nicht leisten, da es mit recht geringer Truppenstärke eine Tausende Kilometer lange Grenze zu schützen hatte und entsprechend beweglich sein musste.
An Orten mit sehr feuchtem oder trockenem Boden haben sich neben den Nägeln teils auch Lederreste von Schuhen erhalten. Hinzu kommen bildliche Darstellungen, zum Beispiel auf Grabsteinen von Soldaten und auf römischen Schlachtendenkmälern. Sie geben uns einen guten Eindruck vom Aussehen römischer Militärstiefel. Am weitesten verbreitet waren die sogenannten caligae. Diese niedrigen, offenen Stiefel wiesen einen Oberschuh aus Rindsleder auf, den man zusammen mit der obersten Lage der Sohle aus einem Lederstück fertigte. Die Sohle wurde durch zwei weitere Lagen verstärkt und durch Einschlagen der Schuhnägel verbunden. Durch die gitterartigen Ausschnitte im Oberschuh glichen die caligae zwar luftigen Sandalen, tatsächlich wog das Paar aber 1,3 Kilogramm, von denen etwa 500 Gramm auf die Nägel entfielen. Im Kampf ließen sie sich übrigens auch als zusätzliche Waffe nutzen und konnten durch Tritte gegen den Gegner schwere Verletzungen bewirken.
In kälteren Regionen finden sich auch geschlossene oder weitgehend geschlossene Soldatenstiefel. Um ihre Füße und Beine warm zu halten, etwa beim Wachdienst, nutzten die Soldaten auch Socken, Strümpfe, Gamaschen und sogar lange Unterhosen. Auf dem Marsch boten caligae aber den besten Tragekomfort, wenn man barfuß in sie schlüpfte.
Tobias Esch
Literatur
T. Fischer, Die Armee der Caesaren. Archäologie und Geschichte, 2. Auflage (Regensburg 2012) 137–138
F. Himmler, »These boots are made for walking.« Rekonstruktionen römischer Stiefel im Langstreckentest, in: C. Koepfer u. a. (Hrsg.), Die römische Armee im Experiment, Region im Umbruch 6 (Berlin 2011) 193–220
M. Junkelmann, Die Legionen des Augustus, 15. Auflage (München 2015) 215–219
C. Koepfer, Die Schuhe, in: T. Esch – H. Derks – T. Kurtz (Hrsg.), Im Dienste Roms. Legionen und Hilfstruppen, Schriften des kelten römer museums manching (Manching 2022) 48–49
Autor:innen der Reihe
Dr. Markus Strathaus
Jasmin Braun M.A.
Maria Braun B.A.
Tobias Esch M.A.
Fabienne Karl M.A.
Henrike Wachsmuth M.A.
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